Zwischen Coaching, Kunst und Kiez: Judith Herschel Hille in der media city leipzig
Heimweh brachte Judith Herschel-Hille zurück nach Leipzig – heute findet sie in der media city leipzig nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern auch Inspiration, Netzwerk und ein Stück Heimat. Seit kurzem arbeitet Herschel als systemischer Coach und setzt ihre Erfahrung dafür ein, Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung zu stärken.
Frau Herschel, Sie sind seit vielen Jahren in der media city leipzig. Was hat Sie damals hierhergeführt?
Mich hat damals das Heimweh nach Leipzig zurückgebracht: Ich arbeitete in Frankfurt am Main in einer Filmproduktion und suchte nach einem neuen Schaffensort in meiner Heimatstadt Leipzig.
Was bedeutet dieser Ort heute für Sie: eher Arbeitsplatz, Netzwerk oder auch ein Stück Heimat?
Das ist eine sehr schöne Frage. Dieser Ort ist für mich alles zugleich: Arbeitsplatz, Netzwerk und vor allem ein Stück Heimat. Denn genau dort, wo die media city leipzig ansässig ist, liegt auch mein alter Kiez – ich bin in der Südvorstadt geboren. Ich bin also ein echtes Südvorstadt-Kind!
Sie machen viele unterschiedliche Dinge gleichzeitig. Wie würden Sie sich selbst in wenigen Worten beschreiben?
Auch wieder eine spannende Frage! Ich bin neugierig, offen, ich liebe den Menschen und ich liebe alles Neue und bin deshalb sehr breit aufgestellt. Sei es Coaching, Messe oder Entwerfen: Alle Ideen, die mir in den Kopf schießen, werden umgesetzt. Sofort! Man könnte auch sagen: Ich bin eine Macherin!
Ihr Motto lautet „Ohne Spaß kann ich nicht arbeiten“. Was bedeutet das konkret in Ihrem Alltag?
Spaß ist ein wichtiger Faktor in meinem Leben, das habe ich von meinen Eltern gelernt. Mein Vater sagte immer: ‚Tu alles mit Spaß, sonst hat es keinen Bestand‘. Alle Dinge, die ich beginne (und die hoffentlich nie enden), haben immer mit Spaß und Leichtigkeit zu tun, denn das gibt uns Kraft und die Freiheit glücklich zu sein – auch und vor allem in der Arbeit.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen in der media city leipzig aus – oder gibt es den überhaupt?
Den typischen Arbeitsalltag in der mcl gibt es bei mir nicht, denn ich bin, wie schon erwähnt, breit aufgestellt. Ich betreibe meinen Künstlerladen in der Mädler Passage Leipzig, ich habe im Januar meine neue Firma Wegweisung gegründet, die ich nicht nur in der media city leipzig platziere. Meine Arbeit in der Neukundenakquise organisiere ich gelegentlich hier, aber nicht täglich, sondern sporadisch, da ich auch in Werbeagenturen und Konzernen arbeite.
Gibt es Begegnungen oder Momente hier vor Ort, die Sie besonders geprägt haben?
Ich habe in vielen Städten gearbeitet: in Frankfurt am Main, in Hamburg, in Bremen und in Köln. Noch nie habe ich so komfortabel gearbeitet wie in der mcl. Die vielen Kontakte der Kollegen prägen mich sehr, die Netzwerkgespräche und die Möglichkeit, mittags den Kopf freizubekommen und in den wunderbaren Mediengarten essen zu gehen oder einen Kaffee zu trinken. Auch Kundengespräche finden hier statt. Dieser Ort ist einfach wunderbar!
Seit dem 1. Januar 2026 sind Sie zertifizierter systemischer Coach. Was hat Sie zu diesem Schritt bewegt?
Dieses Feld des systemischen Coachings interessiert mich seit vielen Jahren, weil es fester Bestandteil der Neukundenakquise ist. Das bedeutet für mich, einem Menschen im richtigen Moment zu begegnen und ihn oder sie begleiten zu dürfen, telefonisch oder persönlich. Es bedeutet auch, die richtigen Fragen zu stellen, wertschätzend und mit der Energie, die der Klient, die Klientin braucht.
Ihr Coaching-Angebot „JHW – Judith Herschel Wegweisung“ ist noch ganz neu. Wie haben Sie Ihre ersten Klienten gewonnen?
Das ist interessant: tatsächlich im Alltag, zunächst aus privaten Kontakten. Und dann hat jeder einen Kollegen, einen Bruder oder einen Onkel, und so hat sich das systemische Coaching seit Januar entwickelt. Im Moment bin ich ganz zufrieden und muss eher schauen, dass es nicht zu viel wird, weil meine Ressourcen auch täglich gut überprüft werden wollen.
Sie arbeiten beim Coaching unter anderem mit Spaziergängen und einem Therapiehund. Was bewirkt dieses Setting bei den Menschen?
Der Wunsch nach Spaziergängen oder Gesprächen im Café kam tatsächlich von meinen Klienten. Diese Form des systemischen Coachings entspricht mir sehr: In Bewegung sind wir oft offener und weniger stark auf das Problem fixiert. Eine Klientin erzählte mir einmal, dass sie schon Beklemmungen bekommt, wenn sie einen Raum mit der typischen Taschentücherbox betritt. Deshalb schlug sie vor, die Gespräche nach draußen zu verlegen. Das fand ich einleuchtend und wohltuend, auch für mich. Mein Hund Vito spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle: Die Klientin hatte zusätzlich eine Hundephobie. Die konnten wir dank Vito sehr gut bearbeiten, ganz entspannt beim Spaziergang im Auenwald.
„Wie kann ich glücklich sein?“ – wie nähern Sie sich dieser großen Frage gemeinsam mit Ihren Klienten und Klientinnen?
Ich denke zunächst, dass wir alle großes Glück haben – wenn wir bewusst hinschauen und erkennen, dass wir ein sehr gutes Leben führen können. Entscheidend ist, unsere eigenen Ressourcen zu kennen und zu aktivieren und darauf zu achten, uns mit Menschen und Aufgaben zu umgeben, die uns guttun und nicht belasten. Wenn Probleme oder Schwierigkeiten auftreten – und das gehört zum Leben dazu –, können wir ihnen strukturiert begegnen und überlegen, wie wir sie verändern oder verbessern können. Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch glücklich sein kann, wenn er es möchte. Dazu passt für mich ein Zitat von Heinrich Heine: ‚Die Sterne des Glücks liegen in dir selbst.‘
Sie haben die Stoffpostkarte erfunden. Wie kam es zu dieser Idee?
Seit Kindheitstagen höre ich die Nähmaschine meiner Mutter. Meine Mutter ist die Erfinderin des Märchenwaldes in Leipzig, der immer zur Weihnachtszeit von der Oper Leipzig organisiert wird. Immer wenn es Frühling wurde, stand die Nähmaschine nicht mehr still – meine Mutter hat dann aus allen möglichen Dingen Unikate genäht. So entstand die Idee, Papier, Spezialpapier und Stoff miteinander zu kombinieren, verbunden mit dem Gedanken des Upcyclings alter DDR-Stoffe. Daraus fertige ich Stoffpostkarten, die Geschichten erzählen und sich ganz klassisch verschicken lassen.
Was macht diese Karten für Sie besonders? Sind sie eher Produkt, Kunst oder Herzensprojekt?
Mit dem Wort Kunst bin ich immer ein bisschen vorsichtig. Es ist eher ein Herzensprojekt. Zu Coronazeiten habe ich einige Senioreneinrichtungen mit meinen Stoffpostkarten (und Briefmarken) beliefert. Damit wollte ich den Bewohnern den Kontakt zur Außenwelt ermöglichen. Ja, es ist ein Herzensprojekt, das es seit nunmehr sieben Jahren gibt. Und es funktioniert wunderbar: Weil es uns glücklich macht, nicht nur Rechnungen im Briefkasten vorzufinden.
Sie verkaufen Ihre Karten unter anderem im Leipzig-Laden in der Mädler-Passage. Was sagen die Kundinnen und Kunden?
Unsere Kunden kommen aus der ganzen Welt und wir erfahren seit sieben Jahren eine sehr hohe Wertschätzung gegenüber diesem Projekt. Ich locke unsere Leipziger Künstler aus ihren Ateliers und zeige ihnen mit meinem Verkaufscoaching auf, wie sie ihre Unikate im Gespräch erläutern und verkaufen können.
Was inspiriert Sie zu neuen Motiven oder Ideen?
Meine Motivation für neue Ideen sind die Sonne und der Wind, unser Segelboot, mein Glück im privaten Bereich und der Blick nach vorne und nie nach hinten!
Wenn Sie auf Ihre verschiedenen Tätigkeiten schauen: Was verbindet all diese Bereiche miteinander?
Alle Tätigkeiten verbindet eine ganz wesentliche Komponente: die Freude und die Arbeit am Menschen mit den Menschen. Ich bin ein Menschenfreund!
Gibt es etwas, das Sie in Zukunft noch unbedingt ausprobieren oder aufbauen möchten?
Ich hoffe: Ja! Ich glaube, es gibt noch viele Dinge, die auf mich warten. Und da ich sehr offen in die Welt schaue, kommen bestimmt recht bald neue Ideen und neue Kreationen, die ich unbedingt umsetzen werde!
Was würden Sie anderen Menschen raten, die ebenfalls den Mut haben, mehrere berufliche Wege gleichzeitig zu gehen?
Ich kann nur jedem raten, alles auszuprobieren, was ihm in den Kopf kommt. Denn vieles, was man nicht versucht hat, bereut man irgendwann – oder denkt später: ‚Ach, hätte ich das damals nur gemacht …‘ Ich bin überzeugt, dass es gut für Kopf und Seele ist – für Leichtigkeit, Lebendigkeit und letztlich auch für die innere Freiheit –, wenn man vielseitig unterwegs ist und in vielen verschiedenen Bereichen aufgestellt ist.
Kontakt:
Judith Herschel-Hille
Mobil: 0171/ 22 49 284
Mail: herschel@newbusiness-jhw.com

