Neue Nachbarn mit großer Mission: Das Zusammenleben e.V. zieht in die media city leipzig
Integration lebt von Begegnung – unter diesem Motto unterstützt der Verein migrantische Selbstorganisationen und fördert gesellschaftlichen Zusammenhalt. Mit dem neuen Büro entstehen kurze Wege, potenzielle Netzwerke und spannende Perspektiven für die nächsten Jahre.
Herr Schwanke, fangen wir ganz persönlich an: Was war Ihr Beweggrund, sich beim Zusammenleben e.V. zu engagieren?
Das Zusammenleben e.V. ist seit 20 Jahren in der Integrationsarbeit aktiv und hat in dieser Zeit vielen Menschen helfen können. Mit der Gründung des Vereins wollten russischsprachige Spätaussiedler sich gegenseitig unterstützen und später auch anderen in gleichen Lebenslagen helfen. Dieses langanhaltende Engagement hat mich sehr begeistert. Damit andere Vereine Ähnliches schaffen können, war Das Zusammenleben e.V. von Beginn an daran interessiert, in Sachsen Netzwerke zwischen migrantischen Selbstorganisationen aufzubauen. Alle eint ihr Engagement für Integration und die gemeinsame Erfahrung, selbst einmal in Deutschland angekommen zu sein. Zu einem glücklichen Leben gehört für mich, Verantwortung für das gemeinsame Glück zu übernehmen – kurz gesagt: Engagement. Und das finde ich bei Das Zusammenleben e.V. in besonderem Maße.
Wie und wann ist der Verein entstanden, und wie kam es dazu, dass Sie ein Büro in Leipzig eröffnet haben?
Zunächst versammelte sich eine Gruppe engagierter Menschen, die Sprachkurse abgeschlossen hatten und nicht einfach zu Hause sitzen wollten. Abends trafen sie sich zu ehrenamtlichen „Sprachstunden“, bei denen sie jedes Mal mit der Lehrkraft diskutierten: Sie kamen aus ganz unterschiedlichen Hintergründen, hatten verschiedene Berufs- und Bildungserfahrungen – was also sollten sie als Nächstes tun? Manche wollten ein Reisebüro eröffnen, andere ein Restaurant oder ein Atelier. Es gab viele Ideen, aber ihnen fehlte das Wissen, wie man so etwas umsetzt. Also luden sie sich eines Tages einen Steuerberater ein, um zu erfahren, wie man ein eigenes Unternehmen gründet. Sein Rat lautete: „Gründen Sie zunächst eine gemeinnützige Organisation, lernen Sie die Gesetze und die Sprache besser kennen, schaffen Sie eine solide Basis – und starten Sie erst dann eigene Projekte.“ Der erste Schritt war also: nicht zu Hause bleiben, sondern etwas lernen und Neues entdecken. So entstand diese „Gemeinschaft“ – aus den Teilnehmenden der Abendkurse wurde eine Gruppe von zwölf Personen. Sie schrieben eine Satzung und ließen sich 2005 als Verein registrieren. Heutzutage sind wir in vielen Bereichen tätig und schauen immer auf die aktuellen Bedarfe, wenn wir Neues anfangen. Politische Bildung und Engagement in migrantischen Selbstorganisationen brauchen zur Zeit Unterstützung. Hierzu haben wir das Büro in Leipzig eröffnet.
Können Sie uns einen Einblick geben: Welche konkreten Projekte betreut das Team hier in Leipzig?
Der Verein war – wie gesagt – schon immer daran interessiert, andere migrantische Selbstorganisationen zu unterstützen. Durch Vereinsmitgliedschaften, Netzwerktreffen, Sprachcafés und Workshops wird gemeinsam die neue Heimat kennengelernt. Ganz wichtig ist dabei, Vertrauen in den Rechtsstaat zu gewinnen und Engagement, Demokratie sowie Bürgerrechte zu verstehen. Viele kommen aus Ländern, in denen es das so oder in solcher Form nicht gibt. Deshalb haben wir ein Projekt ins Leben gerufen, mit dem wir Vereine in ihrem Engagement unterstützen: Wir bieten Beratungen, Netzwerktreffen und Workshops rund um politische Bildung für und mit Menschen mit Migrationsgeschichte an. Ein großer Dank geht an die Bundeszentrale für politische Bildung. Im Förderprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ werden wir gemeinsam mit dem Landesfeuerwehrverband, der Aktion Zivilcourage und weiteren Vereinen in Sachsen gefördert.
Wie viele Mitarbeitende bzw. Beteiligte haben Sie aktuell im Büro Leipzig, und wie ist das Team zusammengesetzt?
Wir sind zwei Hauptamtliche in Leipzig, eine weitere Kollegin arbeitet in Freital. Im Projekt sind wir aufgrund der finanziellen Möglichkeiten in Teilzeit tätig.
Warum fiel Ihre Wahl gerade auf die media city leipzig als neuen Standort? Welche Faktoren waren für Sie ausschlaggebend?
Wir finden es großartig, Teil einer großen Bürogemeinschaft zu sein! Außerdem ist das Preis-Leistungs-Verhältnis sehr gut, und die Anbindung an Straße und ÖPNV ist hervorragend.
Wie fühlt sich Ihr neues Büro in der media city leipzig an – räumlich, atmosphärisch? Was war Ihre erste Reaktion, als Sie den Raum betreten haben?
Als Erstes fallen die offenen Flure und die vielen Pflanzen auf – es herrscht eine sehr angenehme Atmosphäre.
Inwiefern erleichtert Ihnen die Lage bzw. Infrastruktur der media city leipzig Ihre tägliche Arbeit?
Wir kommen sehr schnell von A nach B – das ist ein echter Standortvorteil. Die Rezeption ist natürlich großartig: Wir sparen Zeit beim Postversand, können Schlüssel hinterlegen, und die gesamte Infrastruktur – von der Gebäudetechnik bis zur Stromversorgung – ist optimal auf Büronutzung ausgelegt. Das erleichtert uns die Arbeit sehr.
Gibt es schon erste Begegnungen oder Vernetzungen mit anderen Mietern oder Initiativen in der media city leipzig, die Sie als bereichernd empfunden haben?
Bisher noch nicht, aber wir freuen uns auf die ersten Begegnungen!
Mit Blick auf die nächsten 12 Monate: Was erhoffen Sie sich vom neuen Standort?
Wir hoffen auf gute Nachbarschaften, produktive Begegnungen und vielleicht gemeinsame Ideen mit anderen Akteuren im Haus.
Gibt es ein kleines Anekdötchen oder einen Moment, der Ihnen zeigt, dass Sie mit dem Umzug in die media city leipzig die richtige Entscheidung getroffen haben?
Vor einigen Wochen musste ich ein schweres Paket von der Rezeption abholen. Es dauerte keine Minute, bis eine vorbeieilende Nachbarin Hilfe anbot. Das nenne ich Hausgemeinschaft!
Wenn Sie drei Stichworte wählen müssten, wie Sie Ihre Arbeit in Leipzig und Ihre neuen Möglichkeiten in der media city leipzig beschreiben würden – welche wären das?
Passend – angenehm – effektiv.
Und abschließend: Was würden Sie zukünftigen Mietern oder Interessierten der media city leipzig mit auf den Weg geben – vielleicht ein Tipp oder eine Empfehlung aus Ihrer Perspektive?
Auch als Nichtraucher sollte eine Pause mal auf die Balustrade oder – ja, so heißen sie tatsächlich – in die Mediengärten führen.
Kontakt:
Adriano Schwanke
E-Mail: zdtberatung.zlev@posteo.de
Internet: www.zusammenlebenev.de
