„Meine Bilder sind Gedichte, die ich über das Leben schreibe“

„Meine Bilder sind Gedichte, die ich über das Leben schreibe“


Ab Dezember stellt Katrin Neudeck im Foyer der media city leipzig ihre Bilderreihe „Jetzt und Hier“ aus. Wir haben der Leipziger Künstlerin ein paar Fragen über ihre künstlerische Inspiration und Schaffensweise gestellt.

Frau Neudeck, was beschäftigt Sie, wenn Sie malen?

Wenn ich male, beschäftigen mich die ganz großen Fragen – die Sinnfragen, gewissermaßen. Aktuell dreht sich vieles für mich um das Thema „Wer sind wir, wenn wir authentisch sind, wenn wir unsere Masken nicht tragen?“ Das finde ich sehr spannend zu beobachten, auch an mir selbst. Ich bin ein hochsensibler Mensch und fühle sehr intensiv, das Gute wie das Schwierige. Diese Auseinandersetzung mit mir selbst, meinem eigenen Ego, und mit dieser Welt versuche ich zu verbildlichen. Dabei geht es viel um Liebe, Selbstliebe, Selbstbewusstsein: Wie kann ich meine lichtvollen und schattigen Seiten anschauen, spüren, akzeptieren? Wie können wir Gutes in die Welt hineingeben? Nur, wer gut mit sich selbst umgeht, kann auch gut mit anderen umgehen. 

„Jetzt und Hier“: Was steckt hinter dem Namen der Ausstellung? 

Alles fängt im Hier und Jetzt an: Jetzt, hier spüre ich und bin ich. Jetzt, hier, in diesem Moment findet das Leben statt. Letztendlich ist das ein ganz einfaches Geheimnis – dieser Moment, egal, wie er ist, ist das Einzige, was wir haben. Und wir haben die Chance, ihn zu gestalten, etwas aus ihm zu machen. Ins Hier und Jetzt zu finden, zu mir zu finden und dadurch zu dir zu finden – ich wünsche mir für diese Welt, dass wir das üben können. Alles beginnt und endet mit den kleinen Momenten. Wir müssen lernen, jetzt und hier zu Hause zu sein. 

Von der Inspiration zur Umsetzung: Wie entstehen Ihre Werke? 

Ich habe ein Thema, ein Gefühl, einen Impuls – da will was raus, da will was gesagt werden. Manchmal sitze ich wochen- oder monatelang an so einem Bild, es gibt viele Schichten. Manchmal entsteht ein Bild in zwei Stunden oder einer Nacht. Ich arbeite vorzugsweise auf Leinwänden, meist mit Acrylfarbe, benutze aber auch Kohlestifte oder Kreide. Dabei male ich nicht mit einem Pinsel, sondern spachtele und drucke eher. Häufig gibt es eine Mischung aus grafischen, bewusst gewählten und spontanen, impulsiven Elementen. 

Aktuell arbeite ich an Werken, bei denen ich Leinwand, Papier und Holz kombiniere – eine Mischung aus Collage und Bild. Manchmal drucke ich mit Holzstücken auf die Bilder, hinterlasse Markierungen. Dabei entstehen spürbare Höhen und Tiefen im Kunstwerk, Linien, die sich abheben, Muster. Diese Höhen und Tiefen sind ein Merkmal meiner Bilder. Sie stehen für das, was ich empfinde, machen meine Werke lebendig, greifbar, spürbar, erlebbar – gewissermaßen vom Leben geprägt. Glatte Oberflächen mag ich nicht. Das heißt nicht, dass ich von vornherein etwas erzeugen will, das möglichst viel Struktur hat; das passiert ganz von selbst, und es passt zu mir. Meine Bilder sind eckig und kantig und dabei impulsiv, tiefsinnig. Für mich sind sie kleine Gedichte, die ich übers Leben, über diese Welt schreibe. 

Katrin Neudeck ist 1984 in Zeulenroda (Thüringen) geboren. Nach einem Sport- und Kunststudium in Leipzig und einem Polizei-Studium in Meiningen arbeitete sie zehn Jahre als Polizeikommissarin in Berlin. Seit 2015 lebt sie in Leipzig und widmet sich ganz der Kunst. Die Künstlerin nimmt Auftragsarbeiten an.

Die Ausstellung ist von Dezember 2023 bis Ende Februar 2024 im Foyer der media city leipzig zu sehen.

Kontakt:
Katrin Neudeck
E-Mail: k_neudeck@web.de
Web: https://unikate-art.de/
Instagram: katrinneudeck

„Meine Bilder sind Gedichte, die ich über das Leben schreibe“