SchuBiL Leipzig: „Wir möchten Inklusion nicht nur auf dem Papier haben“
Eintrag vom 07.09.2026
Seit 2024 ist SchuBiL Leipzig Teil der media city leipzig. Mit einem 18-köpfigen Team begleitet das Unternehmen Kinder und Jugendliche durch ihren Alltag und unterstützt ihre Familien. Welche persönlichen Erfahrungen zur Gründung führten, was das Team zusammenschweißt und warum SchuBiL seine Zukunft in der media city leipzig sieht, hat uns Geschäftsführerin Maria Vogel erzählt.
Wie würden Sie Ihr Unternehmen jemandem beschreiben, der zum ersten Mal von SchuBiL hört?
SchuBiL Leipzig steht für individuelle Schul- und Bildungsbegleitung mit einem ganzheitlichen Blick auf das Kind und sein Umfeld. Unser Ziel ist es, Kinder und Jugendliche im Alltag so zu unterstützen, dass sie bestmöglich am schulischen und sozialen Leben teilnehmen können. Dabei geht es nicht nur um Begleitung im Unterricht, sondern auch darum, Sicherheit, Vertrauen und Stabilität zu schaffen – sowohl für die Kinder als auch für ihre Familien.
Die Gründung von SchuBiL ist eng mit Ihrer eigenen Familiengeschichte verbunden. Wie entstand die Idee, aus persönlichen Erfahrungen ein Unternehmen zu entwickeln?
Die Idee entstand aus unserer eigenen Lebensrealität heraus. Als Eltern eines Kindes mit Beeinträchtigung haben wir selbst erfahren, wie schwierig es sein kann, passende Unterstützung zu finden. Oft fehlte uns ein Ansprechpartner, der wirklich erreichbar, zuverlässig und lösungsorientiert arbeitet. Gleichzeitig hatten wir das Gefühl, dass häufig nur einzelne Probleme betrachtet werden, statt das gesamte Kind und die Situation der Familie zu sehen. Aus dieser persönlichen Erfahrung entstand der Wunsch, einen Träger aufzubauen, der genau anders arbeitet: menschlich, greifbar und mit echtem Verständnis für die Herausforderungen von Familien. Wir wollten einen Ort schaffen, an dem Kinder individuell begleitet werden und Eltern spürbare Entlastung erfahren.
SchuBiL besteht mittlerweile aus einem 18-köpfigen Team. Welche Rolle spielen die unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spielen bei SchuBiL eine unglaublich wichtige Rolle. Wir sind mittlerweile 18 Mitarbeitende, die überwiegend in Vollzeit bei uns beschäftigt sind. Was uns besonders wichtig ist: Wir möchten nicht einfach von oben vorgeben, wo es hingeht. Wir haben ein sehr demokratisches Führungssystem und beziehen unser gesamtes Team in die strategische Entwicklung von SchuBiL ein. Zweimal im Jahr treffen wir uns zu Klausurtagungen und überlegen gemeinsam: Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Und was möchten wir als Team erreichen?
Dabei beschäftigen wir hauptsächlich Fachkräfte, geben aber auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern eine Chance. Wenn jemand menschlich zu uns passt und das nötige Engagement mitbringt, ermöglichen wir die entsprechende Qualifizierung. Unsere Assistenzkräfte erhalten dafür umfangreiche Nachschulungen von rund 800 Stunden im pädagogischen und medizinischen Bereich. Außerdem wird jeder Mitarbeitende gezielt auf seinen jeweiligen Einsatz vorbereitet: Niemand soll bei uns das Gefühl haben, mit schwierigen Situationen allein zu sein. Deshalb gibt es täglich einen Bereitschaftsdienst für medizinische und pädagogische Fragen. Auch regelmäßige Pflichtfortbildungen gehören für uns selbstverständlich dazu.
Gleichzeitig versuchen wir, unseren Arbeitsalltag so modern wie möglich zu gestalten. Unsere Mitarbeitenden sind technisch ausgestattet, wir arbeiten mit digitalen Akten und Diensttelefonen. Gerade in unserem Bereich ist das leider noch nicht überall selbstverständlich. Im Mittelpunkt stehen für uns natürlich die Kinder und ihre Familien. Wir möchten Familien nicht einfach nur eine Leistung anbieten, sondern sie wirklich begleiten. Dazu gehört für uns auch, sie in Entscheidungen einzubeziehen. Gleichzeitig arbeiten wir eng mit Kitas und Schulen zusammen und bieten dort kostenlose Schulungen an, damit die Menschen vor Ort besser verstehen, welche Herausforderungen bestimmte Krankheitsbilder oder Beeinträchtigungen mit sich bringen. Wir möchten Inklusion nicht nur auf dem Papier haben, sondern sie tatsächlich leben. Durch unsere Vereinbarungen mit Jugendamt, Sozialamt und Pflegekassen können wir Familien darüber hinaus weitere Unterstützung anbieten, zum Beispiel hauswirtschaftliche Dienste oder zusätzliche Betreuungsstunden im häuslichen Umfeld.
Und weil wir eben nicht nur zusammen arbeiten, sondern uns auch als Team verstehen, haben wir sogar gemeinsam ein eigenes SchuBiL-Lied geschrieben. Das möchten wir demnächst im Tonstudio aufnehmen. Vielleicht klingt das erst einmal etwas ungewöhnlich, aber das Lied bringt eigentlich ziemlich gut auf den Punkt, wie wir als Unternehmen ticken: Bei uns stehen die Kinder, die Familien und genauso unsere Mitarbeitenden als Menschen im Mittelpunkt.
Sie haben nicht nur gemeinsam ein Lied geschrieben, sondern entwickeln und gestalten auch eigene Materialien. Was können Sie uns darüber erzählen?
Das Buch „Arlos Abenteuer im glitzernden Ozean“ haben wir selbst geschrieben und illustriert. Es war unser erstes eigenes Buch. Wir nutzen es vor allem für Familien mit Diabetes, um ihnen anschaulich zu erklären, was eine 1:1-Begleitung bedeutet und wie sie Kinder und Familien im Alltag unterstützen kann. Aktuell arbeiten wir an einem weiteren Buch, das sich mit ADHS und Klassenwiederholungen beschäftigt. Solche Materialien helfen uns dabei, Kindern die bestehenden Systeme verständlicher zu machen, sie besser darin einzubetten und gleichzeitig zu erklären, warum eine individuelle Begleitung manchmal notwendig und hilfreich ist. Über unsere eigentliche Arbeit hinaus engagieren wir uns auch ehrenamtlich und organisieren unter anderem Ferienfreizeiten für betroffene Familien. Zudem arbeiten wir eng mit dem Deutschen Diabetikerbund e.V. und DiabetesKids Leipzig zusammen.
Welche Werte prägen Ihre tägliche Arbeit?
Im Mittelpunkt stehen bei uns Menschlichkeit, Vertrauen und Verlässlichkeit. Uns ist wichtig, jedem Kind wertschätzend und ohne Vorurteile zu begegnen. Gleichzeitig legen wir großen Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit Familien, Schulen und Einrichtungen. Viele Eltern fühlen sich im Alltag allein gelassen – deshalb möchten wir ein stabiler und ehrlicher Ansprechpartner sein.
Wie läuft eine Schul- und Bildungsbegleitung bei Ihnen konkret ab?
Am Anfang steht immer ein persönliches Kennenlernen. Gemeinsam mit den Eltern, Schulen oder Einrichtungen schauen wir, welche Unterstützung benötigt wird und wie eine passende Begleitung aussehen kann. Danach wird individuell entschieden, wie das Kind im Alltag unterstützt wird – zum Beispiel im Unterricht, bei sozialen Kontakten oder in herausfordernden Situationen. Wichtig ist uns dabei, flexibel auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen und regelmäßig mit allen Beteiligten im Austausch zu bleiben.
Viele Anbieter konzentrieren sich vor allem auf die schulische Unterstützung. Warum ist Ihnen der ganzheitliche Blick auf das Kind und sein Umfeld so wichtig?
Unser Ansatz ist sehr persönlich und ganzheitlich. Wir sehen nicht nur die schulische Herausforderung, sondern immer auch das Kind als Persönlichkeit und die Familie dahinter. Durch unsere eigene Erfahrung als betroffene Eltern wissen wir, wie wichtig Verlässlichkeit, Verständnis und ehrliche Kommunikation sind. Wir möchten keine anonyme Betreuung bieten, sondern eine Begleitung, die Vertrauen schafft und langfristig unterstützt.
Viele Kinder und Jugendliche haben mit Unsicherheiten oder sozialen Herausforderungen zu kämpfen. Wie unterstützen Sie sie dabei?
Zunächst einmal durch Präsenz und Vertrauen. Viele Kinder brauchen einen sicheren Rahmen und Menschen, die ihnen zuhören und sie ernst nehmen. Wir unterstützen sie dabei, Selbstvertrauen aufzubauen, Konflikte besser zu bewältigen und ihre eigenen Stärken zu erkennen. Oft sind es kleine Fortschritte, die langfristig einen großen Unterschied machen – zum Beispiel wieder gerne zur Schule zu gehen oder sich mehr zuzutrauen.
Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit Eltern und Schulen?
Eine sehr große. Gute Unterstützung funktioniert nur gemeinsam. Deshalb legen wir viel Wert auf einen offenen und respektvollen Austausch mit Eltern, Lehrkräften und Einrichtungen. Jede Perspektive ist wichtig, um das Kind bestmöglich begleiten zu können. Gerade Eltern wünschen sich häufig jemanden, der erreichbar ist und mit ihnen gemeinsam Lösungen entwickelt. Genau diese Zusammenarbeit möchten wir stärken.
Mit welchen Anliegen kommen Familien am häufigsten zu Ihnen?
Viele Familien suchen Unterstützung, weil ihr Kind Schwierigkeiten im Schulalltag hat – zum Beispiel durch Konzentrationsprobleme, soziale Ängste, emotionale Belastungen oder besonderen Förderbedarf. Oft geht es aber auch darum, Familien insgesamt zu entlasten und wieder mehr Ruhe und Stabilität in den Alltag zu bringen. Besonders in Übergangsphasen oder belastenden Situationen ist unsere Hilfe besonders gefragt. Dazu gehören Schulwechsel, schwierige Erfahrungen im Schulalltag, Integrationsprozesse oder familiäre Herausforderungen. In solchen Momenten brauchen Kinder und Eltern oft einen verlässlichen Ansprechpartner.
Arbeiten Sie ausschließlich mit Einzelpersonen oder auch mit Einrichtungen zusammen?
Wir arbeiten eng mit Schulen, Kitas, Ämtern und sozialen Einrichtungen zusammen. Der regelmäßige Austausch hilft dabei, Kinder ganzheitlich zu begleiten und passende Lösungen im Alltag zu finden.
Können Sie ein Beispiel nennen, bei dem Ihre Arbeit besonders viel bewirkt hat?
Besonders bewegend ist es, wenn Kinder wieder Vertrauen in sich selbst entwickeln. Wir erleben immer wieder, dass Kinder, die anfangs große Schwierigkeiten im Schulalltag hatten, nach einiger Zeit offener, sicherer und selbstständiger werden. Auch Eltern berichten häufig, dass sie sich durch die Unterstützung deutlich entlasteter fühlen. Oft erkennen Kinder im Laufe der Begleitung, dass sie viel mehr schaffen können, als sie selbst geglaubt haben. Gleichzeitig erleben Eltern häufig, wie wichtig die richtige Unterstützung und ein verständnisvolles Umfeld sein können.
Was schätzen Sie besonders an Ihrer täglichen Arbeit?
Am schönsten ist es für uns, Entwicklungen mitzuerleben und Kindern Perspektiven zu eröffnen. Wenn ein Kind wieder gerne zur Schule geht oder Eltern spürbar entlastet werden, zeigt uns das, wie wichtig diese Arbeit ist. Welche Themen oder Projekte möchten Sie künftig weiter ausbauen? Wir möchten unsere individuelle und ganzheitliche Begleitung weiter stärken und noch mehr Familien unterstützen. Besonders wichtig ist uns dabei, weiterhin nahbar, zuverlässig und persönlich zu bleiben – genau das macht SchuBiL Leipzig aus.
Seit dem 29. April 2024 gehört SchuBiL zu den Mietern der media city leipzig und hat seine Räumlichkeiten dort inzwischen erweitert. Was hat Sie an diesem Standort besonders überzeugt?
Wir fühlen uns in der media city leipzig wirklich sehr wohl. Ein wichtiger Punkt ist für uns natürlich die gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Genauso entscheidend ist die Barrierefreiheit, denn viele unserer Kundinnen und Kunden sind darauf angewiesen.
Was ich persönlich besonders schön finde, sind die Gärten und Außenbereiche. Gerade wenn wir ein Kind und seine Familie zum ersten Mal kennenlernen, ist ein klassisches Büro nicht immer der beste Ort. Dann können wir einfach sagen: Komm, wir gehen mal raus. Draußen entsteht oft sofort eine ganz andere Atmosphäre. Die Kinder können sich bewegen, die Situation wird lockerer und man kommt viel natürlicher miteinander ins Gespräch. Und natürlich genießen wir auch die gute gastronomische Versorgung. Insgesamt bietet uns der Standort einfach vieles von dem, was wir für unsere tägliche Arbeit brauchen.
Die media city leipzig bringt Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammen. Welche Bedeutung hat ein inspirierendes Arbeitsumfeld für Ihre tägliche Arbeit?
Für uns ist dieser Austausch wirklich eine Bereicherung. In der media city leipzig begegnen sich ganz unterschiedliche Unternehmen und Menschen, und dadurch entstehen Kontakte, auf die man im normalen Arbeitsalltag vielleicht gar nicht gekommen wäre. Ich mag besonders, dass die Vernetzung hier sehr unkompliziert ist. Man kommt miteinander ins Gespräch, tauscht Ideen aus und manchmal entstehen daraus ganz neue Möglichkeiten. Auch die gemeinsamen Feste und Veranstaltungen der media city leipzig sind dafür natürlich eine schöne Gelegenheit. Man lernt sich noch einmal auf einer anderen Ebene kennen und kann sein Netzwerk erweitern. Wir sind wirklich sehr gerne hier und möchten auch in Zukunft Teil der mcl bleiben.
Wenn Sie sich für die Zukunft von Kindern und Familien in Deutschland etwas wünschen könnten: Was wäre das?
Ich würde mir von Herzen wünschen, dass wir Inklusion wirklich leben. Dass wir einander mehr zuhören, mehr nachfragen und versuchen zu verstehen, bevor wir urteilen oder uns eine vorgefertigte Meinung bilden. Gerade bei Kindern sollten wir viel öfter schauen: Was braucht dieses Kind eigentlich? Was kann es? Wie können wir es unterstützen? – statt zuerst darauf zu schauen, was vielleicht nicht funktioniert oder wo es nicht in ein bestimmtes Schema passt. Ich wünsche mir, dass wir als Gesellschaft wieder stärker verstehen, dass unsere Kinder unsere Zukunft sind. Und damit meine ich wirklich jedes einzelne Kind – unabhängig davon, ob es eine Behinderung, eine Erkrankung oder einen besonderen Unterstützungsbedarf hat. Jedes Kind ist es wert, gesehen und gehört zu werden. Jedes Kind sollte die Möglichkeit bekommen, seinen eigenen Weg zu gehen und selbstverständlich ein Teil unserer Gesellschaft zu sein. Wenn wir das wirklich schaffen, dann haben wir für die Zukunft schon sehr viel erreicht.
Kontakt:
Maria Vogel
Telefon: +49 174 9656364
https://www.schubil-leipzig.de/



