Hollywood in Berlin
Eintrag vom 22.06.2015
„Hach, schön ist das“, seufzt Alexa Maria Surholt, und wiegt die 2,7 Kilogramm schwere Bambi-Figur in den Händen. Die Erfolgsserie „In aller Freundschaft“ - gedreht in der media city leipzig hat den Publikums-Bambi als populärste Serie bekommen.
Wenig später: Drehpause in der Sachsenklinik. Die Schauspielerin, die als Verwaltungschefin Sarah Marquardt Leben in die TV-Klinik bringt, hat sich einige Minuten Zeit für ein Gespräch genommen.
Das Team der Sachsenklinik war fast geschlossen bei der Preisverleihung, nur einige wenige mussten leider andere Termine wahrnehmen. War die Atmosphäre entspannter als am Set?
Überhaupt nicht. An diesem Abend waren wir natürlich nicht entspannt, sondern sehr aufgeregt. Zumal wir in der langen Live-Sendung fast bis ganz zum Schluss warten mussten. Da ist man immer wieder hin und her gerissen zwischen freudiger Erwartung, Aufregung und Überlegungen, ob es nun klappt oder vielleicht doch nicht. Jetzt weiß ich, was der Begriff „auf die Folter spannen“ bedeuten kann.
Und wie war es in der Nominierungsphase? Lehnt man sich zurück und wartet, was da kommt?
Nein, wir haben uns alle im Produktionsteam sehr engagiert, zum Beispiel mit dem Drehen der kleinen lustigen Filmchen, mit denen wir unsere Fans zum Abstimmen aufgerufen haben. Dafür gab es auch viel Unterstützung von MDR und ARD.
Wie war das, als Sie die Figur zum ersten Mal in der Hand gehalten haben?
Das war ein Gefühl, das man wahrscheinlich nur einmal im Leben hat, das war Hollywood. Es hat mich auch sehr geehrt, dass ich die Dankesrede halten durfte. Ich habe es genossen! Man weiß ja nicht, ob man in seinem Berufsleben einen solchen Moment nochmal erleben darf. Den deutschen Oscar in der Hand zu halten ist schon toll.
Wie war die Feier danach?
Wahnsinn. Wir haben wirklich gefeiert, bis der Arzt kam, aber wir hatten ja genügend Ärzte dabei. Ich war, wenn ich mich recht erinnere, halb sechs zu Hause. Es war wirklich sensationell: die Musik, wir haben getanzt, der Champagner lief in Strömen. Kurz: Der Tag danach war hart.
Und jetzt hat der Alltag wieder Einzug gehalten?
Der Alltag wird sicherlich zurückkommen, aber jetzt ist es wie kurz nach der Hochzeit und das Gefühl hält sicher noch eine Weile vor. Und diesen Genuss können wir uns jetzt auch noch ein bisschen gönnen.
Ihre Figur, die Frau Marquardt, ist einerseits kühle Rechnerin und Machtmensch, hat andererseits auch eine zutiefst menschliche Seite. Was macht beim Spielen mehr Spaß?
Erst in der Kombination macht es Spaß. Ich finde es immer uninteressant, wenn man eine Figur nur 1:1 böse anlegt. Das ist auch nicht meine Motivation, als Frau Marquardt will ich ja die Klinik voranbringen, und da muss ich unangenehme Entscheidungen treffen. Ich bin andererseits alleinerziehende Mutter, habe einen pubertierenden Sohn, habe keine Beziehung usw. Es läuft manches glücklich im Leben dieser Figur, vieles nicht. Beides fließt ineinander ein und das Schöne ist, diese Unterschiede und ein komödiantisches Element in die Figur hineinzubringen. Oft ist es so, dass trotz harter Entscheidungen und dem Starten kleiner Intrigen letztendlich doch das Gute gewinnt und die Zuschauer lachen können. Diesen Wechsel finde ich spannend.
Letzte Frage: Heißt es der oder die Bambi?
Der Bambi, ganz eindeutig. Es ist ja ursprünglich in der Disney-Geschichte ein kleiner Hirsch. Alle sprechen vom kleinen Reh, aber für mich ist das ein kleiner Kerl!
Vielen Dank, Frau Surholt.

